Schavan, Stuttgart 21, Wahlkampf & Samenspende

Doktortitel behalten, Amt aufgeben. Annette Schavans Doktorarbeit ist – im Vergleich zum Fall Guttenberg – nur ein Mini-Plagiat. Trotz handwerklicher Fehler sollte sie ihren Titel behalten und in der Politik bleiben dürfen. Nur eben nicht als Wissenschaftsministerin. Süddeutsche Zeitung

Fall Schavan ist kein zweiter Fall Guttenberg. Wie Ex-Verteidigungsminister Guttenberg hat Annette Schavan ihren Regierungsposten mit einem Doktortitel angetreten. Und wie der einstige Hoffnungsträger der CSU ist sie ihn jetzt los. Und trotzdem erinnert beim Umgang mit Schavan wenig an die Guttenberg-Affäre, die das Land vor zwei Jahren erschüttert hat. Frankfurter Rundschau

Mit nicht nur heimlichem Hochmut. Verteidigungsminister zu Guttenberg versetzte sie einst den politischen Todesstoß. Nun will Bildungsministerin Schavan mit einer Klage gegen den Entzug des Doktorgrades ihren eigenen Rücktritt vermeiden. FAZ

Warum Merkel Schavan den Rücken stärkt.
Der Doktortitel ist weg, jetzt kommen die Rücktrittsforderungen. Während Kanzlerin Merkel „volles Vertrauen“ in die Bildungsministerin hat, nennt die Opposition viele Argumente für ein vorzeitiges Ende der Amtszeit. Aber es gibt auch gute Gründe dafür, warum Schavan bleiben könnte. Süddeutsche Zeitung

Volles Vertrauen, halbe Rückendeckung. Annette Schavan will um ihren Doktortitel kämpfen. Aber bleibt sie auch Bildungsministerin? In der CDU zeigt man sich solidarisch, doch die Unsicherheit ist groß. Alle schauen auf Angela Merkel. Die Kanzlerin spricht ihrer Freundin das Vertrauen aus – eine Jobgarantie ist das nicht Spiegel

Bloß nicht zurücktreten! Annette Schavan hat ihren Doktortitel verloren, die Opposition fordert den Rücktritt. Die Regierung sollte auf keinen Fall nachgeben Die Zeit

Eine Frage der Moral – nicht der Ehre. Annette Schavan will um ihren Doktortitel kämpfen. Das ist ihr gutes Recht. Größe würde sie indes zeigen, trete sie als Bildungsministerin zurück. Denn das Amt ist wichtiger als die Person Stern

Titel und Autorität verloren, Annette Schavan muss zurücktreten taz

Schavans Kampfansage aus Afrika dauert 23 Sekunden. Mitten in die Südafrikareise von Bundesbildungsministerin Annette Schavan platzte die Nachricht von ihrem aberkannten Doktorgrad. Die CDU-Politikerin zeigt sich entschlossen, Ministerin zu bleiben Die Welt

Der Doktor vor Gericht. Womöglich müsste nach den im Fall Schavan angelegten Maßstäben vielen der Doktorgrad entzogen werden. Das entlastet die Bildungsministerin nicht. Gleichwohl wollen ihre Anwälte vor Gericht die Unverhältnismäßigkeit des Verfahrens nachweisen. FAZ

Warum Schavans Klage aussichtslos ist. Die Uni Düsseldorf hat Schavan den Doktortitel aberkannt. Vor Gericht will sie gegen die Entscheidung klagen. Dass sie damit durchkommt, ist äußerst unwahrscheinlich. Die Zeit

„Schavans Plagiat war geschickt gemacht“ Annette Schavan fühlt sich unfair behandelt. Energisch bestreitet die Bildungsministerin eine Täuschungsabsicht und will gegen die Aberkennung des Doktortitels klagen. Wie also ist das Urteil und das Vorgehen der Uni Düsseldorf zu bewerten? Interview mit dem Plagiatsexperten Stefan Weber. tagesschau.de

So kamen sie Schavan auf die Schliche Bild

Nach diesem Muster erschlich sich Schavan den Doktor Nach Einschätzung von „SchavanPlag“ hat die Uni Düsseldorf Annette Schavan völlig zu Recht den erschlichenen Doktorgrad entzogen. Die anonymen Plagiatsjäger dokumentieren in ihrem Blog 131 Verstöße der Bildungsministerin – und das Muster ihres Plagiats. Focus

Merkels dürre Reserve. Schavan will kämpfen, die Kanzlerin steht zu ihr. Aber die Rücktrittsforderungen der Opposition werfen die Frage auf, wer in der CDU für das Bildungsministerium geeignet wäre. Der Kreis der Kandidaten ist klein. Süddeutsche Zeitung

Kein Ruhmesblatt. Die informelle Liste möglicher Nachfolger für Annette Schavan im Bildungsministerium ist erschreckend kurz. Die Namen sind erschreckend unbekannt. Ein Ruhmesblatt für die deutsche Politik ist die ganze Angelegenheit nicht. FAZ

Wieso Schavan ihren Titel noch tragen darf. Ihre Website ist unverändert, Annette Schavan firmiert weiter als „Prof. Dr.“, trotz der Aberkennung des Titels durch die Uni Düsseldorf. Warum das erlaubt ist, was aus ihrer Honorarprofessur in Berlin wird und weshalb Wissenschaftler ihrer Klage wenig Chancen einräumen – wichtige Fragen und Antworten. Süddeutsche Zeitung

Stuttgart 21

Ramsauer trotzt dem Fachwissen Verkehrsminister Ramsauer. Wenn politische Wünsche mit Expertenwissen kollidieren: Mitarbeiter des Verkehrsministeriums zweifeln an der Sinnhaftigkeit von Stuttgart 21. Minister Ramsauer tut das als Meinung aus der „unteren“ Beamtenebene ab – und will weiterbauen Süddeutsche Zeitung

Zwischen unterdrücktem Zorn und Arroganz. Peter Ramsauer ist ein Meister des Spiels über Bande. Trotzdem kann er jetzt schlecht abtauchen, wenn sein eigenes Ministerium die Pläne zu „Stuttgart 21“ in Frage stellt. Tagesspiegel

„Faktisch gibt es schon einen Baustopp“ Der Grünen-Politiker Palmer fordert eine Entscheidung von Kanzlerin Merkel, ob Stuttgart 21 weiter gebaut werden soll. Faktisch gebe es bereits einen Baustopp. FAZ

Neue Dolchstoßlegenden. Die Verantwortlichen für S21 schweigen taz

„Gegen Stuttgart 21 verblasst der BER ja geradezu“ Cem Özdemir findet, dass das S-21-Debakel selbst die Probleme des Berliner Flughafens in den Schatten stellt. Der Grünen-Vorsitzende denkt bereits laut über den Ausstieg aus dem Bahnhofsprojekt nach. Die Welt

Wahlkampf

Steinbrück gibt den Griechen-Freund. Der SPD-Kandidat besucht Griechenland und verspricht mehr Solidarität. Er will sich von der Kanzlerin abgrenzen. Immer gelingt das nicht. Die Zeit

Bundestag überprüft peerblog.de. Spott aus dem Netz gab es schon zur Genüge, jetzt droht handfester Ärger: Die Bundestagsverwaltung überprüft die Steinbrück-Jubelseite „peerblog.de“ – sie könnte gegen die Regeln der Parteienfinanzierung verstoßen. Süddeutsche Zeitung

Wo der rot-grüne Steuerhammer zuschlägt. Die Steuerpolitik ist ein zentrales Wahlkampfthema für Steinbrück & Co. Was als Angriff auf Reiche daherkommt, trifft in Wahrheit aber auch die Mittelschicht. Und könnte der Wirtschaft schweren Schaden zufügen. Handelsblatt

Samenspende

Jeder hat das Recht, seine Herkunft zu kennen. Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass die Tochter eines Samenspenders dessen Namen erfahren darf. Das ist richtig so, denn zur Gesundheit gehört auch die eigene Identität. Die Welt

Samenbank muss einem anonym gezeugten Kind den Namen des leiblichen Vaters nennen. Die Entscheidung des Oberlandesgericht Hamm ist richtig – denn jeder Mensch hat ein Recht darauf, seine eigene Abstammung zu kennen. Frankfurter Rundschau

Es gibt auch eine Freiheit jenseits der Gene. Das Oberlandesgericht in Hamm hat entschieden, dass Kinder anonymer Samenspender das Recht haben, den Namen ihres Vaters zu erfahren. Zur Entfaltungsfreiheit gehört allerdings auch, dass es ein Ich jenseits von Genen und Abstammung gibt. Tagesspiegel

„Wir Kinder wurden einfach vergessen“ Theresa Schmidt ist Tochter eines Samenspenders, ihren biologischen Vater hat sie nie kennengelernt. Im Gespräch erzählt die 28-Jährige, wie sie mit dem Wissen um den „zweiten Vater“ umgeht, was ihr das aktuelle Samenspende-Urteil bedeutet – und weshalb sie selbst bisher von einer Klage abgesehen hat Süddeutsche Zeitung

Der Name des Vaters. Sarah P., gezeugt durch eine Samenspende, hat vor Gericht das Recht erstritten, den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. Das Urteil wird Reproduktionsmediziner in Bedrängnis bringen Stern

Spenderkinder brauchen Klarheit WAZ

Der Samenspender hinter der Karteikarte 261. Sarah P. ist die Tochter eines Samenspenders. Die 21-Jährige klagte, um seine Identität zu erfahren. Hintergrund soll nicht das Geld des Vaters sein, sondern etwas anderes. Das Gericht gab ihr recht. Die Welt

Urteil macht „Spenderkindern“ Hoffnung. Das Essener Zentrum für Reproduktionsmedizin muss Sarah P. den Namen ihres Vaters preisgeben. Ihre Mutter hatte sich vor 22 Jahren anonym befruchten lassen. Das Urteil lässt auch andere „Spenderkinder“ hoffen FAZ

Urteil ist ein Meilenstein. Die etwa 100 000 mittels Samenspende zur Welt gekommenen Kinder haben künftig das Recht, ihre genetische Herkunft zu klären. Das Urteil des Oberlandesgericht Hamm in dieser Frage ist ein Meilenstein. Kölner Stadt-Anzeiger

… one more thing!!!

Goldmans „Rockstar“ tritt ab. Er ist eine der prominentesten Figuren der Finanzwelt: Jim O’Neill. Der Stratege von Goldman Sachs machte sich einen Namen als Erfinder der BRIC-Staaten. Nun verlässt er die Bank. Sein Abgang wirft viele Fragen auf. Handelsblatt

Leitartikel

Abwarten als Prinzip. Die Umstände gestatten es Angela Merkel, sich ein wenig Bedenkzeit zu nehmen. Sie ist in Europa unterwegs. Sie hat aber auch genug, über das sie nachdenken muss: Schavan und die FDP, Rente und Familienpolitik. Frankfurter Rundschau

Nur Verlierer. Die Affäre Schavan wirft abermals die Frage auf, wie mit Plagiaten umgegangen werden soll. Bei 25.000 Dissertationen im Jahr ist nicht damit zu rechnen, dass es sich bei allen um originelle Arbeiten handelt. FAZ

Titel entzogen: Schavan bietet offene Flanke AZ München

Mit Täuschungsabsicht. Eine Bildungsministerin, der vorsätzliche Verstösse gegen wissenschaftliche Prinzipien vorgehalten werden, sollte zurücktreten. Noch sträubt sich die deutsche Politikerin Annette Schavan. NZZ

Europas versteckter Stimulus project syndicate

The unsexiest media company alive: Time Warner. The owner of HBO and People has kept up with media rivals without the recent wheeling and dealing at Disney or News Corp. In five years under CEO Jeff Bewkes, Time Warner has handed investors a 70 pct return. Despite a solid Q4, the question is whether boring can stay beautiful. breakingviews

After-Effects of the Hagel Fight The Atlantic

A rulebook for stealth. Obama needs rules for secret warfare. Washington Post

Obama, drones, and the blissful ignorance of Americans. When it comes to the war on terror, most Americans rather conveniently employ an out-of-sight, out-mind attitude The Week

How to beat Rove at his own game. „The architect“ should more aptly be called the „demolition man.“ politico

Brussels’s Hezbollah Excuses Are Running Out. EU antiterror policy can’t be based on the hope that Hezbollah will try, in future attacks on Israelis, to avoid killing European bystanders. Wall Street Journal

India vs. China vs. Egypt. Which one will thrive the most in the 21st century? The race is on. New York Times

The Evolution of Irregular War. Insurgents and Guerrillas From Akkadia to Afghanistan. Pundits tend to treat terrorism and guerrilla tactics as something new, but nothing could be further from the truth. Although the agendas have changed over the years — from tribalism, to liberalism and nationalism, to socialism, to jihadist extremism — guerrilla and terrorist warfare has been ubiquitous throughout history and consistently deadly. Foreign Affairs