FDP, Wulff, Regierungserklärung & Schuldenkrise

Die FDP ist nicht mehr zu retten. Mit dem Rücktritt von Generalsekretär Lindner ist der Neuanfang der Führungsspitze um Parteichef Rösler krachend gescheitert. Eine weitere Chance bekommt die FDP nicht mehr. Ohnehin ist sie überflüssig geworden. Financial Times Deutschland

FDP: Jugend forscht. Die Liberalen zerfleischen sich selbst. Das liegt an ihrem Personal und an ihren politischen Inhalten. Jammerschade eigentlich. Denn die liberale Idee erlebt gerade eine Renaissance. Handelsblatt

Ein Neustart, der keiner war Einiges spricht dafür, dass Lindners Rücktritt kein Bauernopfer ist, sondern das Damenopfer, mit dem die FDP verzweifelt ihr „Matt“ verhindern will. Ob auf diese Weise der König – Rösler – vor dem Fall gerettet werden kann, darf man bezweifeln. FAZ

Für Rösler wird es eng. Der Rücktritt von Generalsekretär Lindner hat eine Dynamik ausgelöst, die FDP-Chef Rösler fürchten muss. Er hat wenig erreicht und wirkt überfordert. Die Zeit

Die FDP braucht einen Plan B. Und da waren es nur noch zwei. Ob die Troika aus Philipp Rösler, Christian Lindner und Daniel Bahr als flottes Dreier-Dreamteam gefeiert oder als „Boygroup“ verspottet wurde – jetzt ist das Trio jämmerlich gescheitert WAZ

Schwächung der Koalition. Mit dem Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner ist auch eine Schwächung der Berliner schwarz-gelben Koalition verbunden – und das in einer der schwersten Krisen Europas. Kölner Stadt-Anzeiger

Desolate Partei. Die Chancen für die Lobbyisten und Steuersenker steigen taz

Das neue Chaos in der FDP. Christian Lindner ist dem Sturm zuvor gekommen. Jetzt richten sich alle Augen und alle Kritik auf den Chef selbst, sagt Christian Tretbar. Doch gescheitert sind nicht nur Lindner und Rösler persönlich. Auch ihr Projekt ist am Ende. Ein anderer scharrt mit den Hufen. Tagesspiegel

Christian Lindner – groß gescheitert. Christian Lindner geht. Er zeigt damit mehr Größe als all die Sesselkleber um ihn herum. Und wahrt seine Chance, irgendwann doch noch Vorsitzender zu werden. Das Ende des sozialen Liberalismus aber bleibt wohl besiegelt – jedenfalls in der FDP. Frankfurter Rundschau

In Deckung gegangen. Christian Lindner ist zurückgetreten. Grund ist nicht der Mitgliederentscheid zur Euro-Rettung, sondern die Illoyalität der FDP-Parteiführung. Wirtschaftswoche

Dicke Bretter denken. Christian Lindner galt als Wunderkind und enttäuschte dann manche in der Partei. Zu sehr Philosoph, zu wenig Handwerker. Dem Absturz der FDP folgt nun sein Abschied. FAZ

Lindner war der falsche Mann zur falschen Zeit. Generalsekretär Lindner wollte eine unorthodoxe, originell denkende FDP, doch der 32-Jährige scheiterte am Alltag der Partei. Die Welt

Vorerst gescheitert. Christian Lindner hat eine politische Bilderbuchkarriere hinter sich. Trotz seines jungen Alters galt er im vergangenen Jahr sogar als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des FDP-Parteichefs. Nun hat der Senkrechtstarter eine harte Landung hingelegt. Skizzen einer Laufbahn Süddeutsche Zeitung

Auf Wiedersehen! Christian Lindners Rücktritt als Generalsektretär kam überraschend. Das einstige „FDP-Bambi“ ist deshalb aber noch lange nicht abgeschrieben, im Gegenteil. Stern

Blitz-Entscheidung über Lindner-Nachfolge Bild

Döring statt Lindner, Bierzelt statt Boygroup. Ein ganz anderer Typ: Der designierte Nachfolger von Lindner als Generalsekretär ist bullig, deftig und macht auf Schützenfesten eine gute Figur. Weil Patrick Döring vielen auch als stramm konservativ gilt, dürfte seine Nominierung zu Spannungen führen Süddeutsche Zeitung

Patrick Döring – Abteilung Attacke. Vom Schatzmeister zum Generalsekretär: Parteichef Philipp Rösler beruft einen engen Vertrauten an seine Seite. Der soll angreifen – und die Liberalen besser verkaufen Financial Times Deutschland

Wulff

Die Angst der Kanzlerin. Bisher galt: Verfassungsorgane bewerten sich nicht gegenseitig. Nun lobt die Bundeskanzlerin den Bundespräsidenten. Das heißt, sie hat Angst um ihn. FAZ

Kleinteilig im großen Amt. Das Affärchen um Christian Wulff, so wie es sich heute darstellt, ist zu klein für Konsequenzen. Aber es droht das Amt und seinen Inhaber zu verkleinern – auf ein Maß, das sich Horst Köhler kaum hätte träumen lassen Tagesspiegel

Reduzierte Wahrheit. Wer als Präsident amtiert, muss nicht nur die Kunst der gehobenen Rede beherrschen, er muss vor allem glaubwürdig sein. Das ist Wulff nicht mehr. Frankfurter Rundschau

Das tut man nicht, Herr Präsident Christian Wulff hat zwar nicht gelogen, dafür aber die volle Wahrheit verschwiegen. Streng juristisch ist ihm nichts vorzuwerfen, aber das Amtsethos verlangt von einem Bundespräsidenten mehr als formale Ehrlichkeit. Die Öffentlichkeit ist aus gutem Grund und böser Erfahrung empfindlich, wenn Politiker Privates und Berufliches vermischen. Süddeutsche Zeitung

Der Kredit des Präsidenten. Dieser Bundespräsident wird künftig schweigen müssen: Spätestens am 17. August erfuhr Christian Wulff, dass die Presse in der Sache seines Hauskaufs recherchierte. Am 24. August sprach er im Kreis von Nobelpreisträgern über Bonität und Bürgschaften. Es war seine erste und letzte Rede über das Schicksalsthema unserer Zeit. FAZ

Und alles für ein Eigenheim. Mit der zäh tröpfelnden Unterstützung für Bundespräsident Wulff ist die Affäre nicht beendet – in der Unionsfraktion wird zweifelnd abgewartet. Vergleiche mit der sogenannten Flugaffäre von Johannes Rau machen die Runde. FAZ

Der nette Herr Wulff. Der Bundespräsident nimmt es mit der Wahrheit und der Ferne zu Unternehmern nicht so genau. Zu halten wird er kaum sein – er sollte von sich aus gehen. Die Zeit

Regierungserklärung im Bundestag

Merkel schiebt Europas Gründervätern Schuld zu. Selbstkritisch gibt sich die Bundeskanzlerin in der Regierungserklärung: Die Politik sei für die Euro-Krise verantwortlich. Die Fehler seien allerdings lange vor ihrer Amtszeit gemacht worden. Handelsblatt

Merkel: Europa wird stärker aus der Krise herauskommen Bild

Im Schatten der Krisen. Die Kanzlerin verteidigte im Parlament das Ergebnis des EU-Gipfels von Brüssel. Wie argumentierte sie? Tagesspiegel

Wir wollen die Wende zum Guten schaffen. Bundeskanzlerin Merkel hat die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Reform der Eurozone als „wichtige Weichenstellung“ verteidigt. Die Konstruktionsfehler der Währungsunion würden damit behoben. FAZ

Glaubt die Kanzlerin, was sie sagt? Die Kanzlerin sagt, der EU-Gipfel habe die Konstruktionsfehler des Euro behoben. Doch Merkel hat die Probleme noch nicht einmal richtig beschrieben Die Zeit

Schuldenkrise

Harte Bedingungen für 45-Milliarden-Kredit an IWF. Berlin will dem Währungsfonds nur Geld bereitstellen, wenn auch Länder außerhalb Europas die Einlagen aufstocken. Derzeit spricht allerdings kaum etwas dafür, dass das der Fall sein wird. Süddeutsche Zeitung

SOFFIN: Nur ein wenig Zwang. Eigentlich sollte das Thema Staatsknete für Kreditinstitute abgehakt sein. Aus gutem Grund hatte der Gesetzgeber den Bankenrettungsfonds Soffin Ende 2010 für neue Hilfen dichtgemacht, damit auch den Letzten in der Branche klar war, dass diese staatliche Aktion von milliardenschwerem Ausmaß nicht auf Dauer angelegt ist Börsenzeitung

Unabhängig. Die Bundesbank soll dem IWF Kredit gewähren. So will es die Kanzlerin. Die Bundesbank aber will vorher die Zustimmung des Bundestags, doch plötzlich singen die Haushaltspolitiker das Hohe Lied der Unabhängigkeit der Zentralbank. FAZ

Die Zeit des Massenwohlstands ist vorbei. Der Westen hat über seine Verhältnisse gelebt. Proteste und soziale Unruhen werden künftig zum Alltag gehören Die Zeit

Unsere Griechenländer. Deutschland fordert harte Sanktionen für Schuldensünder in Europa. Doch gegenüber den eigenen Bundesländern ist so viel Härte tabu. Die Zeit

London vs. the Eurozone. David Cameron’s veto of the plan to save the euro was a big gamble, and suggests that the UK is shuffling towards the EU exit project syndicate

… one more thing!!!

Noten haben Nebenwirkungen. Weder gerecht noch angemessen: Zensuren hängen nicht nur von der Leistung eines Schülers ab. Die Herkunft wird kräftig mitbenotet. Der Chancengerechtigkeit im Klassenzimmer stehen sie deshalb im Weg. Wirtschaftswoche

Leitartikel

Eine Partei in Abwicklung. Christian Lindners Rücktrittserklärung war so blutarm wie die Partei, für die er Generalsekretär war. Sie wurde nur noch unterboten von der blutleeren Erklärung des FDP-Chefs Rösler, die deutlich machte: Die Zeit dieser FDP ist vorbei. Das letzte Kapital der Liberalen war die Jugend ihrer Führung. Sie haben auch dieses Kapital noch verspielt. Süddeutsche Zeitung

Die FDP – das Parteiphantom. Nach dem Rücktritt von Christian Lindner wird Patrick Döring neuer Generalsekretär der Liberalen. Doch egal, welche Personalwechsel sie vollzieht, die FDP hat nicht nur jegliches Ansehen in der Bevölkerung verspielt – verloren ist auch ihre Existenzberechtigung als Regierungspartei. Frankfurter Rundschau

Schaden für die FDP Krise, Chaos, FDP: Selten zuvor hat sich eine Partei selbst so zerlegt wie die Liberalen!Und auch der neue General Patrick Döring steht angesichts der dramatischen Lage von Anfang an im Feuer – ohne jede Schonfrist … BILD

Politisch Untote, die FDP nach dem jüngsten Rücktritt AZ München

Die Angst der Kanzlerin Bisher galt: Verfassungsorgane bewerten sich nicht gegenseitig. Nun lobt die Bundeskanzlerin den Bundespräsidenten. Das heißt, sie hat Angst um ihn. FAZ

Europa neu denken Der Brüsseler Gipfel hat gezeigt, dass der freie Vertrag der Willigen mehr bewegen kann als das Zwangskorsett der Vergemeinschaftung. Wir können von unseren Nachbarn lernen Die Welt

Die Freiheit, fett zu sein project syndicate

Physicists Close In on a Universal Puzzle. Clues From Geneva’s Collider Suggest Existence of Higgs Boson, Fabled Particle Key to Presence of Stars, Planets, People Wall Street Journal

An ECB weapon guaranteed to work. The only way to provide the liquidity firewall Europe needs is through a sovereign guarantee program. But the ECB must act quickly, as time is running out Financial Times

The 10 Biggest Ideas of the Year. Women are funny, men are pigs, populism is popular, and other themes we gleaned from the events of 2011 The Atlantic

Asian banks can’t fill gap as Europeans retreat Breakingviews

On the brink of a global credit crunch. As European bank lending is increasingly constricted by two major, unavoidable forces, the ripples will be felt in lending markets around the world Business Spectator

The redistribution myth. The dirty secret of the payroll tax debate. Washington Post

Senate must send signal to Russia. We must send Russia a strong message in support of human rights and transparency. politico

The Left’s wrongheaded anti-Semitism debate. Rather unbelievably, liberal writers are bashing a former AIPAC spokesman for keeping a tally of their obnoxious anti-Israel comments The Week

Newt, Mitt, Bibi and Vladimir. Many American Jews are deeply worried about where Israel is going. Many others are just drifting away. New York Times

How Chinese Innovation is Changing Green Technology. Beijing’s Big Gamble on Renewables . Foreign Affairs