Krim-Krise, Israel, Nulldefizit, Hoeneß & Marx

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Europa riskiert in Kiew den moralischen Bankrott In der Ukraine entsteht eine Zivilgesellschaft, die der russische Präsident Putin fürchten muss. Wenn Amerika und die EU diese nicht tatkräftig unterstützen, verrät der Westen seine ureigenen Werte. Die Welt

Skrupellos auf der Krim Die Chancen auf eine Lösung des Streits um die Krim schwinden mit jedem Tag und jedem weiteren Schritt, den die prorussischen Kräfte dort tun. Der Kreml hat offenbar nur ein Szenario – das der Eskalation. FAZ

Putin dreht das Rad zurück Ist Europa schuld an der Krim-Krise? Die These ist beliebt: Russland sei eingekreist, gedemütigt vom Westen. Wer sich das zu eigen macht, der verkennt: Die EU ist gewachsen, weil sie attraktiv ist. An Sensibilität hat es ihr nicht gemangelt. Aber Russland war schon mal weiter. Süddeutsche Zeitung

Geschlossen Putin hat einen Preis für seine Annektionspolitik zu zahlen: Russlands Wirtschaft ist verwundbar, seine Elite ist gern im Westen. FAZ

Im Zweifel für Zwischentöne Die Darstellungen der Krim-Krise zeigen, dass glatte Geschichten von Gut und Böse fehlgehen. Putins Politik als illegitim darzustellen, ist falsch. taz

Die Mär vom Faschismus in Kiew Das Ukraine-Bild der russischen Propaganda ist völlig verzerrt. Der Machtwechsel in Kiew war nicht ein Putsch von Faschisten. Zum Sturz führte eine Volkserhebung. NZZ

Rechtspopulisten als Wahlbeobachter Ausgerechnet Europas Rechtsaußen-Parteien sollen darüber wachen, ob die Volksabstimmung über den Beitritt der Krim zu Russland mit rechten Dingen zugeht. So wünscht es sich jedenfalls Russland, das Rechtspopulisten von Le Pen bis Vlaams Belang eingeladen hat. Für die ist das Angebot durchaus reizvoll. Frankfurter Rundschau

„Über die Krim-Frage hinausdenken“ Bei Kanzlerin Merkels Besuch in Warschau zeigen sie und ihr polnischer Kollege Donald Tusk Einigkeit in der Krise: Die beste Reaktion auf die Aggression des Kreml seien schnelle Hilfen für die Ukraine – deshalb wollen Merkel und Tusk das EU-Assoziierungsabkommen schnell unterzeichnen. Frankfurter Rundschau

Krim auf fatalem Weg zur Zerschlagungsschablone Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Tusk kündigen harte Sanktionen gegen Russland an. Das ist notwendig. Putin darf mit dem Bruch der europäischen Ordnung, die seit 1991 bestand, nicht durchkommen. Die Welt

Gerhard Schröders größter Fehler Ex-Bundeskanzler Schröder legte den Grundstein für die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas. Europa muss sich jetzt gemeinsam daraus befreien. Es braucht eine neue Luftbrückenmentalität des Westens Tagesspiegel

Europa ist nicht in Putins Hand Russland ist ohne Zweifel ein wichtiger Gas-Lieferant. Europa ist Moskaus Machthaber aber nicht ausgeliefert. Es sollte sich andere Lieferanten suchen. Und sparsamer mit Erdgas umgehen. FAZ

EU bremst Russlands Erdgas aus Zwei große Pipeline-Projekte vorerst gestoppt; Suche nach alternativen Energielieferanten. Wall Street Journal

Keine Angst vor dem Handelskrieg Warum Russland laut Exportverband BGA viel stärker unter Sanktionen leiden würde als Deutschland. Keine Gefahr sieht der Außenhandelsverband auch für die Finanzmärkte. Berliner Zeitung

„Weh tut es immer“ Sanktionen schmerzen jeden, aber Russland träfen sie mehr als die EU. Als letztes Mittel seien sie sinnvoll, sagt der Volkswirt Wolfram Schrettl. taz

Schulterschluss Der Westen tut sich häufig schwer, mit einer Stimme zu sprechen. Unterschiedliche Akzentuierungen auf den jeweiligen Problemfeldern und der notorische Profilierungsbedarf, der fast allen Staats- und Regierungschefs in Demokratien eigen ist, verhindern oft einen wirksamen Auftritt der EU, aber auch der Nato-Staaten. Bonner General-Anzeiger

Merkel führt – noch fehlt ein Plan In der Euro-Krise haben die europäischen Staaten Deutschlands, damit Kanzlerin Merkels Führungsrolle nur widerwillig akzeptiert. In der Ukraine-Krise ist es anders. WAZ

Maidan-Todesschüsse rufen Berlin auf den Plan 100 Tote gab es bei dem Umsturz in Kiew. Doch bis heute weiß niemand, wer geschossen hat. Dass das Russland in die Hände spielt, weiß auch die Bundesregierung, die nun die Aufklärung forcieren will. Handelsblatt

Deutsche und Polen begraben Stromstreit Seit Jahren beschweren sich Polen und Tschechen über den deutschen Ökostrom, der ihre Netze durcheinanderbringt. Damit ist jetzt Schluss. Der Stromfluss soll künftig kontrolliert werden. FAZ

Was die Freiheit der Ukraine kostet Geplünderte Kassen, Jahre der Misswirtschaft und aufgeschobene Reformen: Die Übergangsregierung in Kiew übernimmt die Ukraine am Rande einer Staatspleite. Nur Kredite werden dem Land helfen – und drastische Reformen. Und die werden wehtun. Süddeutsche Zeitung

In der Opposition tobt der Krim-Krieg Die Grünen seien verwelkt und bewegten sich am rechten Rand – bei der Diskussion über den Umgang mit der Ukraine schlägt die Linke auf ihren Oppositionspartner ein. Und die Grünen? Die staunen und grausen sich. Süddeutsche Zeitung

Russia harms the BRICs and adds to global risks The intervention in Ukraine is bad for Russia’s own economy and will do further harm to emerging economies as they struggle with reduced capital inflows and weak exports. Investors are shifting to developed markets, increasing the risks there. Breakingviews

Wehrpflicht in Israel

Bald wird Israels Armee orthodoxe Soldaten haben Jerusalemer Regierung verpflichtet die Strengreligiösen und stärkt damit den säkularen Charakter des Staates. Der Beschluss ist ein sinnvoller erster Schritt. Weitere werden über kurz oder lang folgen… Die Welt

Mehr Ultraorthodoxe werden Soldaten Das israelische Parlament hat eine historische Entscheidung getroffen: Künftig gilt auch für ultraorthodoxe Juden die Wehrpflicht. Die Opposition boykottierte die Abstimmung in der Knesset. FAZ

Sündenfall der Tugendhaften Sie werfen Steine auf Schwulenparaden, sind in Schmiergeldaffären verwickelt und verachten die moderne Gesellschaft. Deshalb haben ultraorthodoxe Juden in Israel nun ihr Privileg verloren – die Befreiung vom Militärdienst. Die Mehrheit der Israelis hat lange darauf gewartet. Süddeutsche Zeitung

Wehrpflicht für die Gottesfürchtigen Das israelische Parlament verabschiedet nach jahrelangem erbittertem Streit ein Gesetz, das auch ultraorthodoxe Juden zum Wehrdienst verpflichtet. Bislang waren die Orthodoxen vom Armeedienst befreit. Die Welt

„Islamischer Dschihad“ feuert auf Israel Mehr als 40 Raketen sind in der Nacht zum Donnerstag vom Gazastreifen aus nach Israel geschossen worden – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Verantwortlich war die Gruppe „Islamischer Dschihad“. Mit iht macht sich eine neue Kraft im Konflikt breit. FAZ

Nulldefizit

Schäubles zäher Kampf Schäuble will den Haushaltsausgleich vom nächsten Jahr an. Und diesmal könnte er auch kommen. Doch die Kreditnull hat drei Opfer: die Infrastruktur, die Sozialkassen und den Steuerzahler. FAZ

Die Null allein ist nichts Die große Koalition will keine neuen Schulden machen. Doch wird die Null noch dastehen, wenn die Wirtschaftsparty vorüber ist, die Zinsen steigen, die Einnahmen stagnieren und die Babyboomer-Generation in Rente geht? Darauf Auf gibt der Finanzplan keine hoffnungsvollen Antworten. Tagesspiegel

Der schöne Schein der schwarzen Null Zum ersten Mal seit 46 Jahren plant Finanzminister Schäuble für 2015 einen ausgeglichenen Haushalt ein. Die Erfahrung zeigt: Volle Kassen verführen zu großem Unfug. Doch es gibt Gründe, die für höhere Schulden sprechen. Handelsblatt

Berliner Pläne auf dem Rücken der Steuerzahler Über das Ziel des Nulldefizits NZZ

Eine Zäsur Die Null steht. Jedenfalls auf Papier als Eckwert für den Bundeshaushalt 2015. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble darf, wenn die Staatsschuldenkrise in Europa keine weiteren Rettungsmilliarden verlangt, dann für sich reklamieren, seit 46 Jahren der erste Bundesfinanzminister zu sein, der ohne neue Schulden auskommt. Das ist quasi historisch, mindestens aber eine Zäsur. Bonner General-Anzeiger

Uli Hoeneß

Alles hängt an der Selbstanzeige Warum hält die Verteidigung die Selbstanzeige für vollständig, die Staatsanwaltschaft jedoch für unwirksam? Was muss Uli Hoeneß nach dem Richterspruch nun in jedem Fall zahlen? Am Donnerstag soll das Urteil im Prozess fallen. Antworten auf die drängendsten Fragen. Süddeutsche Zeitung

Der verrückteste Prozess seit Jahrzehnten Uli Hoeneß redet sich fast ins Verderben, sein Anwalt fällt ihm ins Wort, und die Zockereien versteht sowieso kaum jemand. Der Steuerprozess neigt sich dem Ende zu – und inzwischen ist klar: So ein Verfahren hat man lange nicht gesehen. FAZ

Die große Last des Hoeneß-Richters Heute wird das Urteil gesprochen. Der Prozess hätte für Uli Hoeneß kaum schlechter starten können. Eine Haftstrafe schien unumgänglich. Doch nun darf der Bayern-Boss wieder hoffen. Welche Optionen Richter Heindl hat. Handelsblatt

Die Notbremse Uli Hoeneß‘ wichtigster Anwalt ist erst seit Dezember in seinem Team. Hanns W. Feigen versucht mit Transparenz, eine drohende Gefängnisstrafe zu verhindern. ZEIT

„Es gibt keine Strafmilderung wegen Spielsucht“ Deutschland wartet auf das Urteill im Fall Hoeneß, das am Donnerstag verkündet werden soll. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt der FDP-Vize-Chef und Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki, wie er den bisherigen Prozess bewertet. Rheinische Post

Reinhard Marx

Wahl mit Bedenken Ein politischer Kopf, selbstbewusst, Rom eng verbunden: Es gab gute Gründe, Reinhard Marx zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu machen. Aber auch einige dafür, dass die Wahl in Münster keine einfache war. Süddeutsche Zeitung

Der Draht zum Papst Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, ein Sozialethiker, hat den direkten Draht zum Papst. Als neuer Chef der Bischofskonferenz führt er die Katholiken in schwierigen Zeiten. Zu den Streitpunkten zählen etwa die Sexualmoral und die Rechte wiederverheirateter Geschiedener. Frankfurter Rundschau

Comeback der Katholiken in der Champions League Die Wahl des Münchner Kardinals Marx zum Vorsitzenden ist keine Überraschung. Wie kein anderer wird er deutsche Interessen in der Weltkirche vertreten können. Unumstritten ist diese Wahl jedoch nicht. Die Welt

Starke Stimme Die katholische Kirche hat durch die Wahl von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wieder eine starke Stimme. Dass er sich erst nach dem fünften Wahlgang durchsetzen konnte, macht eines deutlich: Die Bischofskonferenz, vom bisherigen Vorsitzenden Robert Zollitsch mit großer Kraftanstrengung zusammengehalten, muss noch erst wieder zusammenwachsen. Bonner General-Anzeiger

Die eigenen Grenzen kennen An der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland steht nun Reinhard Marx. Er ist ein Hirte, der seiner Herde Orientierung gibt und angstfrei vorangeht. Er ist aber keiner, der sich unter die Schafe mischt, gar ihren „Geruch annimmt“, wie es Papst Franziskus von seinen Bischöfen fordert. Tagesspiegel

Hoffnungsträger Reinhard Marx hat mit klaren Worten gleich am Tag seiner Wahl Hoffnungen geweckt – daran wird er sich messen lassen müssen. Denn es stehen reichlich Aufgaben an. Bald, womöglich schon nächste Woche, wird es ernst im Fall Tebartz-van Elst. WAZ

…one more thing!

Warum Vodafone in die Krise stürzt Enttäuschte Kunden, frustrierte Mitarbeiter, schwere Managementfehler: Die neue Führungsriege steuert den einst so starken Mobilfunker in eine schwere Krise. Ein Lehrstück über hausgemachte Fehler mit fatalen Folgen. Handelsblatt

Leitartikel

Warschaus gewieftes Kalkül Polens Ministerpräsident Tusk warnt: Deutschlands Energiepolitik verhindert eine beherzte Antwort auf Russlands Griff nach der Krim. Für seine Ziele ist ihm der Konflikt ein willkommenes Argument – nur ist es in jeder Hinsicht falsch. Süddeutsche Zeitung

Noch ohne Autorität Die deutschen Bischöfe haben Kardinal Reinhard Marx mit einer hauchdünnen Mehrheit ausgestattet. Damit zeigen sie, dass es ihnen weiterhin an inhaltlichem Konsens mangelt. FAZ

Der fehlbare Papst Vor einem Jahr wurde Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Die Menschen lieben die neue Bescheidenheit des Vatikans. Doch der eigentliche Wandel, den Franziskus angestoßen hat, greift tiefer. Er ist ein Suchender. Die Welt

Seriöses Haushalten sieht anders aus! Respekt, Herr Schäuble! Seit langem wurde wieder ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt. Allerdings: Der Preis ist hoch: Haushalt! Bild

Der lange Abschied von Rot-Grün Die Grünen in den Ländern sind wenig geneigt, als Mehrheitsbeschaffer für die große Koalition zu fungieren. SPD und Grüne entwickeln sich sogar in zahlreichen Politikbereichen eher auseinander. Berliner Zeitung

Seit wann trifft man Vereinbarungen mit Dealern? Auf einem Spielplatz im Görlitzer Park finden Kinder Kokain und Crystal Meth. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann spricht anschließend von „Agreements“ mit den Dealern und will noch mal mit ihnen reden. Dabei hat sie eigentlich die Pflicht etwas zu unternehmen. Tagesspiegel

Smartphone steuert Schabe Mit einem Elektronikbausatz können Schüler eine Kakerlake zum Cyborg umbauen. Tierschützer wollen das ethisch fragwürdige Experiment beenden. ZEIT

Republican Roulette The GOP presidential slate looks like a chaotic casino of ideas. Wall Street Journal

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