1.09.2014

Landtagswahl in Sachsen, Waffenlieferungen, Ukraine-Krieg, 2. Weltkrieg & EU

Sachsens Wähler ließen ihren Emotionen freien Lauf Obwohl das Bundesland gut regiert wird und prosperiert, stimmt ein Drittel der Wähler für linke und rechte Populisten. Man fragt sich, ob die Bürger sich selbst und ihr Wahlrecht noch ernst nehmen. Die Welt

CDU sucht nach einem neuen Partner Als “Bayern des Ostens” wird Sachsen mittlerweile gehandelt. Da ist etwas dran. Viele Sachsen, gerade im ländlichen Raum, betrachten die CDU als Schutzheilige des wirtschaftlichen Aufstieges. Doch mit wem könnte die Partei nach der Landtagswahl koalieren? Süddeutsche Zeitung

Kein Feiertag für die CDU Die CDU hat die Landtagswahl in Sachsen gewonnen. Aber der Erfolg von Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist kein Anlass für Triumphgefühle. Die Wahl enthält auch Signale einer Schwächung der Demokratie. Berliner Zeitung

Der Preis der Unverbindlichkeit Negativ zu Buche bei der Stimmabgabe für den sächsischen Landtag schlägt zum einen die desolat niedrige Wahlbeteiligung. Zum anderen haben die Parteien Zulauf, die sich als Alternative zum diffusen Mainstream präsentieren. Ein Kommentar. Kölnischer Stadt-Anzeiger

Tillich hat sich verschätzt Stanislaw Tillich hat mit seiner Strategie, einen tatsächlichen Wahl-Kampf aus dem Weg zu gehen, seiner Partei und sich keinen Gefallen getan hat. Mitteldeutsche Zeitung

Sächsische Experimente Das Prinzip Merkel, Homestorys am Küchentisch, Distanzierung von Berlin: Im sächsischen Wahlkampf wurden allerlei Konzepte getestet – meist recht erfolglos. Zeit

Der König ist tot – es lebe der König? Im Freistaat Sachsen ist eine Partei gestorben. Eine gerade geborene hat ihren Weg aber noch nicht gefunden. Was erwartet die Menschen nun? Handelsblatt

Die Erosion an den Rändern ist bedrohlich Die Wahl in Sachsen ist kein politisches Reifezeugnis für dieses Land. Mehr als die Hälfte der Wähler blieb zu Hause. Jeder Dritte wählte eine Partei, die offen anti-demokratisch ist oder ein fragwürdiges Demokratieverständnis hat. Rheinische Post

Bloß keine Nestbeschmutzer Das südöstliche Bundesland gibt sich gern selbstverliebt. Dieser Patriotismus wird von Parteien jeglicher Couleur auch noch gestützt. taz

Ein Sieg, zwei Sieger Die CDU hat die Landtagswahl gewonnen, hat doppelt so viele Stimmen bekommen wie die zweitplatzierte Linke und sogar mehr Stimmen als Rot-rot-grün zusammen. Doch sehen Sieger wirklich so aus? Stern

AfD

Die neue Kraft Mit dem Einzug der AfD in den Landtag von Sachsen scheint sich rechts von der CDU eine neue Kraft zu etablieren. Der Wahlsieger wird aber wohl mit der SPD koalieren. FAZ

Ohne jedes Zittern Fünf Prozent waren an diesem Wahlsonntag keine Herausforderung für die AfD. In Sachsen wollte die Partei zeigen, dass sie eine neue feste Größe in der deutschen Parteienlandschaft werden könnte – eine Art FDP, nur deutlich weiter rechts. Süddeutsche Zeitung

Kleine ganz groß Die AfD zieht in das erste Landesparlament ein und hofft darauf, dass der klare Erfolg ihr mehr Auftrieb gibt. Die FDP dagegen scheitert auch in Sachsen. Die deutsche Parteienlandschaft steht womöglich an der Schwelle einer grundlegenden Veränderung was die kleineren Wettbewerber angeht. Frankfurter Rundschau

Angela Merkel und Sigmar Gabriel machen Bernd Lucke groß Die AfD hat es aus dem Stand in Sachsen in den Landtag geschafft – auch ohne Euro-Krise. Erfolg hat sie besonders bei Wählern, die das Ende des politischen Wettbewerbs zwischen CDU und SPD durch die Große Koalition beunruhigt. Tagesspiegel

Eurokritische AfD verdirbt CDU in Sachsen die Siegesfreude CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat die Wahl in Sachsen wie erwartet gewonnen. Der Überraschungssieger des Abends aber war die euroskeptische AfD, zu der Tillich zackig auf Abstand ging. Wall Street Journal

Die AfD zersplittert die Union Die AfD hat die anderen Parteien in Sachsen geschlagen. Die Auswirkungen auf die Bundespolitik sind viel größer als es das Wahlergebnis erwarten lässt. Wirtschaftswoche

Diese AfD geht nicht mehr weg Die Alternative für Deutschland erobert die Parlamente und wird sich nicht, wie die CDU hofft, nach Piraten-Art selbst zerstören. Vier Gründe, warum die AfD stabiler ist. Zeit

Liberales Aushängeschild Energisch, eloquent, inhaltlich geschmeidig – Frauke Petry ist eines der bekanntesten AfD-Gesichter. Die Biografie der 39-jährigen hat Höhen und Tiefen. taz

Waffenlieferungen

Sturmgewehre für Kurdistan Eine Ministerrunde unter Kanzlerin Angela Merkel einigt sich auf eine Waffenlieferung für die Kurden im Nordirak. Die Waffenlieferung soll nur peu à peu erfolgen. Hilfsorganisationen kritisieren den Regierungsbeschluss. Frankfurter Rundschau

Bundesregierung setzt auf Militarisierung Für eine weitere Militarisierung der deutschen Außenpolitik gibt es angesichts der katastrophalen Kriege an vielen Brennpunkten der Welt überhaupt keinen Grund. Berliner Zeitung

Das deutsche Dilemma Die Bundesregierung sieht keinen Präzedenzfall. Doch hinter diese Entscheidung wird Deutschland kaum mehr zurückfallen können. Badische Zeitung

Pazifismus – ein Abgesang Im Bundestag beginnt heute die Sondersitzung zu den deutschen Waffenlieferungen an die Kurden. Deutschland hadert noch mit seiner Rolle in der Welt. Welche Rolle spielen die intellektuellen Restbestände pazifistischer Reinkultur? FAZ

Deutschlands schwierige Rolle Es ist ein geschichtsträchtiges Datum: Am Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg seinen Lauf nahm, wird heute der Bundestag über die umstrittene Lieferung von Waffen an die Kurden im Norden des Irak debattieren und abstimmen. WAZ

Ukraine-Krieg

Nicht nur Gerede und Geschichte Der russische Präsident lässt die Maske fallen. Auch danach muss die Nato verhandlungsbereit bleiben. Doch vor allem muss sie jetzt die Abschreckung stärken. FAZ

Putin ist dem Westen immer einen Schritt voraus Die ratlose EU braucht eine Woche, um auf Putin zu antworten. Der spricht schon von der Souveränität der Ostukraine. Der Westen muss jetzt verhindern, dass er auch das Baltikum destabilisiert. Die Welt

Ukraine wird zum Spielball der Kreml-Strategie Ohne Unterstützung von außen kann die Ukraine den Kampf gegen russische Soldaten und russische Waffen kaum mehr gewinnen. Von einer militärischen Niederlage bis zum Partisanenkrieg sind zahlreiche Horror-Szenarien vorstellbar. All das käme Wladimir Putin gelegen. Süddeutsche Zeitung

Nennen wir es endlich Krieg und Invasion! Huffington Post

Ratlos in Brüssel Dass Russlands Präsident Putin in absehbarer Zeit Waffen und Kämpfer aus der Ukraine zurückziehen könnte, glaubt beim EU-Gipfel niemand. Dass er den Konflikt weiter anheizen wird, fürchten hingegen fast alle. Doch die dramatische Zuspitzung der Lage ruft in der EU vor allem eines hervor: Ratlosigkeit. Süddeutsche Zeitung

Neurussland löst Ängste aus Mit seiner Maximalforderung nach Eigenstaatlichkeit des Donbass hat Präsident Putin allen, die den Waffenstillstand wollen, einen Bärendienst erwiesen. taz

Beginn des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren

Gestern Hitler und Danzig, heute Putin und Donezk 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs droht der Westen wieder vor einer Aggression zu kapitulieren. Polnische Intellektuelle appellieren an die Europäer und fordern eine neue Ostpolitik. Die Welt

„Hätten doch nur mehr diesen Krieg verraten“ Wie der Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann erst dem Alkohol verfiel und dann die Würde seiner Kameraden rettete. Frankfurter Rundschau

“Wir wussten, was auf uns zukommt” Lieselotte Bach ist “Arbeitsmaid”, als der Zweite Weltkrieg beginnt. Sie und ihre Kameradinnen glauben der Nazi-Propaganda – und brechen bei der Nachricht vom Angriff auf Polen trotzdem in Tränen aus. Der Krieg sollte Bach drastisch treffen. Süddeutsche Zeitung

Nazi-Taten inspirieren die Terrormiliz IS Die Grausamkeit des Islamischen Staats im Irak und in Syrien ist keineswegs, wie manche gedankenlos behaupten, „unvorstellbar“. Die Lehrmeister auf diesem Gebiet waren die Nazis, waren die Deutschen, die am 1. September 1939 Polen überfielen. Berliner Zeitung

EU

Schwarz vor Rot Sozialisten und Sozialdemokraten haben gerade mal einen der drei europäischen Top-Jobs bekommen – noch dazu das Amt, dessen Inhaberin die Geschicke Europas am wenigsten beeinflussen kann. Die beiden einflussreichen Posten haben sich die Christdemokraten und Christsozialen gesichert. Kanzlerin Merkel sowie die Krise in Osteuropa hatten ihren Anteil daran. Süddeutsche Zeitung

Zwei für Europa Das neue Spitzenpersonal der EU ist komplett: Italiens Außenministerin Federica Mogherini wird neue EU-Außenbeauftragte, Polens Regierungschef Donald Tusk Ratspräsident der Europäischen Union. Frankfurter Rundschau

Eine Chance Sie kommen aus Deutschland, Polen, Italien und Luxemburg: die vier neuen bzw. schon benannten Spitzenvertreter der EU. Und wenn demnächst auch die einflussreichen Jobs des Währungskommissars sowie der Eurogruppe besetzt sind, kämen noch Vertreter aus Spanien und vielleicht Frankreich hinzu. Bonner General-Anzeiger

Frauentausch im Sinne Europas Am Wochenende entscheidet der EU-Gipfel über einen neuen europäischen Außenminister. Die Anforderungen für das Amt sind klar. Doch der FDP-Europapolitiker Graf Lambsdorff meint: Die Favoritin ist die Falsche für den Job. Handelsblatt

Europas junge Stimme in der Welt Federica Mogherini ist Anfang 40, war gerade mal vier Monate Italiens Außenministerin – und wird nun EU-Außenbeauftragte. Beim Gipfeltreffen in Brüssel haben sich die Staats- und Regierungschefs auf die Italienerin geeinigt. Was Sie über Mogherini wissen müssen. Süddeutsche Zeitung

Mogherinis schwierige Mission Der Einfluss der Italienerin Federica Mogherini auf dem Posten der EU-Außenbeauftragten dürfte überschaubar bleiben – weil die großen europäischen Mitgliedstaaten es so wollen. Tagesspiegel

…one more thing!

An der göttlichen Mission festhalten Erst wurde der IS sträflich unterschätzt, jetzt glaubt mancher Experte, die radikalen Islamisten hätten den Zenit ihrer Macht schon überschritten. Einige sprechen schon vom “Ikarus-Moment”. Aber vielleicht ist das Kalifat lernfähiger als der Westen meint. Auf einen schnellen Zerfall wird man kaum hoffen dürfen. Süddeutsche Zeitung

Leitartikel

Tillichs Verdienst Der Wahlsieg der CDU ist keine Überraschung. Ministerpräsident Tillich hat Sachsen zum Vorbild gemacht. Ansonsten bleibt für die großen Parteien alles wie gehabt. FAZ

Rechts von der CDU wächst die Konkurrenz Die AfD wird für die Union das, was die Linke für die SPD ist. Eine Konkurrenz, mit der man große Schwierigkeiten hat. Der politische Lebensraum verändert sich. Es ist nur die vermeintliche Stärke der Merkel-CDU, die den Blick darauf verstellt. Süddeutsche Zeitung

Schlimmer kommt´s nimmer Debakel für die FDP bei der Sachsen-Wahl. Aber es wäre es zu früh, endgültig das Totenglöckchen der Liberalen zu läuten. Bild

Stärke – für alle Fälle Russlands Präsident Putin nutzt die Schwächen seiner Gegner – im Inland wie im Ausland. Darauf muss der Westen reagieren, vor allem die Nato, denn sie funktioniert – als Wertegemeinschaft und Verteidigungsbündnis. Tagesspiegel

Großbritanniens Angst vor “Little England” Das schottische Unabhängigkeitsreferendum am 18. September paralysiert die Briten. Sie könnten bald nicht nur ohne ihre Brüder in den Highlands, sondern auch ohne die Europäische Union dastehen. Die Welt

Waterboarding für Pferde Männer aus Krisenländern bekommen die Hand an den Euro. Statt Konsolidierung kommen noch mehr Konjunkturspritzen. Ein Irrweg. Wirtschaftswoche

Gegen die Uhr Die hektische Suche nach einem entschleunigten Leben Spiegel (Print)

Wie Sie mehr verdienen können Der Wirtschaft geht es blendend, Fachkräfte werden gesucht. Jetzt ist eine gute Zeit, den Chef nach mehr Geld zu fragen. Wie Sie richtig verhandeln – und mehr für sich herausholen. Plus: der große Gehaltsvergleich für 150 Berufe Focus (Print)

A strenuous September India’s government is embarking on a whirlwind month of Asian diplomacy Economist

The True Meaning of Labor Day For America’s workers, Labor Day marks more than the end of summer. It’s a reminder of the struggles we have won—and those that lie ahead.
The Nation