Mahnwache, Integration, Islam, Satire, Pegida, Ukrainekrise & Bundeshaushalt

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Arm in Arm 10 000 Menschen sind zur Mahnwache für ein tolerantes Deutschland ans Brandenburger Tor gekommen. Manche haben sich „Je suis Charlie“-Aufkleber auf die Jacken geklebt. Bundespräsident Gauck appelliert an die Verantwortung aller Bürger in Deutschland. Süddeutsche Zeitung

Patrioten am Brandenburger Tor Zum ersten Mal sind die Spitzen des Staates der Einladung der islamischen Gemeinschaft gefolgt und haben sich demonstrativ an ihre Seite gestellt. Die Kundgebung ist Ausdruck eines neuen, demokratischen und weltoffenen Patriotismus. Berliner Zeitung

Fast mehr Minister als Moslems Nur 10.000 Menschen nahmen an der Mahnwache in Berlin teil, dafür drängten sich Politiker auf der Bühne. Aus der Kundgebung der Muslime wurde eine Luxuskundgebung der gutmeinenden Elite Deutschlands. Stern

Je suis Demokratie Muslime, Juden, der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin: Bei einer Mahnwache in Berlin vergewisserte sich das politische Deutschland seiner selbst. taz

Jüdischer Verband AJC greift Merkel an „Unangebracht“, „bevormundend“: Die Aussagen von Angela Merkel über die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland sorgen nicht nur in der Union für Unmut. Auch das American Jewish Committee kritisiert die Kanzlerin. Handelsblatt

Die Rückkehr von Christian Wulff Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff erscheint überraschend auf der Mahnwache gegen den Terror in Berlin. Es ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zu seiner politischen und öffentlichen Rehabilitierung. Frankfurter Rundschau

Integration

Frankreich fürchtet die Gretchenfrage Frankreich ist ein laizistischer Staat. Darauf sind die Franzosen zu Recht stolz. Das darf aber die Diskussion über eine sinnvolle Integrationspolitik nicht hemmen. Zeit

Ein langer Weg Eines Tages wird es in Deutschland vielleicht muslimische Dörfer geben. Ist das Islamisierung? Ja, nicht des Abendlands, aber doch von Teilen der Gesellschaft. Ist das bedrohlich? Nein, das ist Verfassungswirklichkeit. FAZ

Die Themen sind längst Alltag Die Islamkonferenz beschäftigt sich inzwischen mit Fragen des alltäglichen Zusammenlebens. Dabei geht es keineswegs um Randthemen. Berliner Zeitung

Islam

Fundamentalisten mit grünem Textmarker „Der Islam ist eine Religion des Friedens“ – diese Aussage als Abgrenzung zu Terrorakten ist zu einfach. Die Mehrheit der gemäßigten Muslime muss endlich über den Koran debattieren. Sonst wird ihr heiliges Buch weiter von Extremisten vereinnahmt. Süddeutsche Zeitung

Warum nur in Gottes Namen? Zu sagen, der Islam sei friedliebend, damit ist es nicht getan. Denn die Täter von Paris hatten einen religiösen Bezug. Aber es kam noch etwas hinzu. Zur Anatomie einer mörderischen Frömmigkeit. FAZ

Der Islam braucht eine Reformdebatte Die Muslime sollten sich stärker mit der Rolle ihrer Religion auseinandersetzen. Auch wenn pauschales Misstrauen fehl am Platz ist – konservative Ausprägungen werden in Deutschland als fremd empfunden. Kölner Stadt-Anzeiger

Wettkampf der Terroristen Seit 2010 sind die Al-Kaida-Anschläge fast zum Erliegen gekommen. Dafür ist mit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 ein neuer Akteur aufgetaucht: der IS. Beide Terrororganisationen schreiben sich die Pariser Anschläge auf ihre Fahnen. Für den Westen sind das keine gute Nachrichten. Frankfurter Rundschau

Fakten zum Salafismus in drei Grafiken Glaubt man Islamgegnern, sind Salafisten überall. Aber wie viele Muslime sind welche – und wie viele nicht? Und wer begeht mehr Straftaten – Rechtsextreme oder islamische Extremisten? Drei Grafiken, die den Salafismus ins Verhältnis zum Islam in Deutschland rücken. Süddeutsche Zeitung

Was darf Satire?

Was Spott über Gott darf Den „Blasphemie-Paragrafen“ abschaffen und damit ein Zeichen für die Meinungsfreiheit setzen – das will FDP-Chef Lindner. Unionspolitiker fordern hingegen schärfere Gesetze. In manch anderem europäischen Land gibt es die bereits. Süddeutsche Zeitung

Satiriker in abendländischer Tradition wegsperren Da lachen Klerikale und Kerkermeister: Es ist noch gar nicht so lang her, dass man im christlichen Abendland als Dichter seine Existenz aufs Spiel setzte, wenn man sich den Himmel mit Spötteleien ausmalte. FAZ

Moral ist der falsche Maßstab Wenn Satire alles darf, warum nicht auch Michel Houellebecq? Die Diskussionen um seinen neuen Roman sind bisweilen hanebüchen und zeugen von einem Missverständnis. Zeit

Fake News From the Holy Land Israel’s satirists believe laughter helps preserve sanity. But can they really lighten the mood? The Atlantic

Free Speech for All The attack on the French magazine Charlie Hebdo was an attack on the ideals on which all free societies stand. To face the forces of extremism and terror, demands the courage to defend the right to say what we believe – and to respect the fact that others have the same right. Project Syndicate

Dieudonné claims he has been ‚denied freedom of speech like Charlie Hebdo‘ as he is investigated over ‚apology for terrorism‘ The Independent

‘Are We Next?’ I’m the editor of Germany’s Charlie Hebdo. This is why I’m publishing its cover. Politico

Pegida / Unwort des Jahres: „Lügenpresse“

Wo Pegida und Islamisten der gleichen Meinung sind Wo das Wort von „Lügenpresse“ die Runde macht, endet der pluralistische Sektor. Das gilt für radikalisierte Islamkritiker ebenso wie für die Islamisten. Sie eint die Ablehnung von Meinungsvielfalt. Die Welt

Unwort des Jahres 2014 „Lügenpresse“: Verpflichtung Wer von der Demokratie wenig hält, hat mit der Pressefreiheit seine Schwierigkeiten. So ist es kein Wunder, dass der polemische Begriff „Lügenpresse“ in das Wörterbuch aller extremen politischen Richtungen der zurückliegenden Jahrzehnte gehörte, inklusive der beiden deutschen Diktaturen und der sie tragenden Parteien. Bonner General-Anzeiger

„Wer nicht lügt, sagt nicht automatisch die Wahrheit“ Der Begriff „Lügenpresse“ hat die Wahl zum „Unwort des Jahres“ absolut verdient, findet unser Autor. Journalisten müssen sich aber auch an die eigene Nase fassen, gerade in Zeiten des schnellen Online-Journalismus. Tagesspiegel

„Lügenpresse“ als Unwort ist eine mutige und richtige Wahl Die Sprachforscher, die „Lügenpresse“ zum Unwort 2014 gewählt haben, haben mutig entschieden. Ob ihre Kritik ankommt, ist fraglich. WAZ

Schande mit System Islam, Energiewende und GEZ: Vieles erregt die Pegida-Anhänger. Eine Forderung der Bewegung fehlt auf einmal. Eindrücke aus Dresden. FAZ

Unterwegs in Dresden Es hätte auch die Fanmeile sein können – Deutschland, Deutschland –, aber auf der Fanmeile sind die Frauen zahlreicher gewesen und das Wetter besser. Pegida-Impressionen vom Montag. Berliner Zeitung

„Dresden als borniertes und engherziges Provinznest“ 25.000 Leute demonstrierten am Montag in Dresden für „Pegida“ – mehr als je zuvor. Der Grünen-Politiker Johannes Lichdi kritisiert eine Dominanz von „Pegidisten-Verstehern“ in der Stadt. Tagesspiegel

Dschihad und Pegihad Pegida und Dschihadisten brauchen sich gegenseitig. Die Extremisten sollten nicht gegeneinander demonstrieren, sondern miteinander. taz

Pegida Marches On How the Charlie Hebdo Attack Reinvigorated the Movement Foreign Affairs

Ukrainekrise

Nie stand es schlechter um Putin Russlands Präsident hat nur auf westliche Schwächen, nicht auf Stärken geschaut. Nun geht es mit der Wirtschaft bergab, und Gefahr droht von reichen Oligarchen. Dieses Jahr kann Putins letztes sein. Die Welt

Der Diplomat als Sisyphos Der geplante Ukraine-Gipfel ist gescheitert. Aber das Bemühen um eine friedliche Lösung muss weitergehen. Wie kann der Westen zum Dialog mit Russland zurückfinden? Zeit

Russland verweigert sich seiner Rolle Einmal mehr ist eine Verhandlungsrunde zum Ukraine-Konflikt gescheitert. Das liegt vor allem an der Weigerung Russlands, die eigene Rolle einzugestehen. Berliner Zeitung

Lasst den Kalten Krieg in den Geschichtsbüchern! Für Österreichs jungen Außenminister Sebastian Kurz hat die Krise mit Russland etwas Unwirkliches an sich. Nein, das Europa der souveränen Staaten bleibt Maxime. Die Welt

Bundeshaushalt

Mit Ingenieuren zur schwarzen Null Die Schwarze Null ist weniger das Ergebnis kluger Politik, sondern einer florierenden Wirtschaft. Deutschlands Unternehmen zeigen sich innovativ und beweisen sich am Weltmarkt. Berliner Zeitung

Schäuble im Glück Hans Eichel hat es vor ihm nicht geschafft und auch nicht Peer Steinbrück. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gelingt indes die Null im Bundeshaushalt – und dies schon überraschend ein Jahr vor der Planung. Börsen-Zeitung

Die schwarze Null ist noch zu wenig Endlich! Es ist geschafft! Der Bund kommt erstmals seit 1969 wieder mit seinem Geld aus und macht keine neuen Schulden. Aber die eigentliche Herausforderung kommt noch. Tagesspiegel

…one more thing!

Kriegsschauplatz Netz „Wir sind in euren Computern“, sagen die Hacker, die sich als „Cyber-Kalifat“ bezeichnen. Doch das ist nichts als Propaganda. Die Angriffe gegen Youtube- und Twitter-Konten des US-Militärs sind harmlos – selbst wenn sie im Namen des IS geführt werden. Doch Cyber-Terrorismus ist längst eine reale Bedrohung. Süddeutsche Zeitung

Leitartikel

Sprüche und Widersprüche Seit den Anschlägen von Paris überschlagen sich die Deutungen, rotieren die Reaktionen. Nicht alles wirkt stringent. Ein Versuch, noch etwas mehr Chaos in die angestrebte Ordnung zu bringen. Tagesspiegel

Staat muss Stärke zeigen! Muslime, Juden, Christen setzten das Zeichen, dass wir uns gemeinsam gegen mörderischen Terror wehren. Bild

Der Rechtsstaat kennt seine Gegner Es ist eine Floskel, dass es absolute Sicherheit nicht gebe. Relative wäre auch schon ganz gut. Dafür muss der Staat nicht nur der Hass-Propaganda im Netz etwas entgegensetzen, sondern islamistische Milieus verstärkt ins Visier nehmen. FAZ

Ein gestelltes Foto darf Geschichte schreiben Die internationale Polit-Elite steht mit Hunderttausenden gegen den Terror ein. Das war die Botschaft des Gruppenbildes mit Merkel und Hollande vom vergangenen Sonntag. Jetzt kommt heraus: Die Aufnahme entstand in einer gesicherten Straße. An der Aufrichtigkeit der Geste ändert das jedoch nichts. Süddeutsche Zeitung

Die Vorsicht der Christen Mit Kritik an Gewalt im Islam halten sich die Kirchen meist zurück. Dafür gibt es starke Gründe. Dennoch ist ein Disput der Religionen nötig. Ihn aber muss die pluralistische Gesellschaft auch zulassen und fördern Die Welt

Die missbrauchten Morde Was bewegt französische Zeichner zu dem Aufruf „Pegida, verschwinde“? Es ist das dumpfe und brutale Denken, das die Trauermärsche der Rechten zu verlogenen Inszenierungen macht. Frankfurter Rundschau

Die Kämpfer Heute ist unter schwierigsten Bedingungen die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem verheerenden Anschlag auf das Satiremagazin erschienen. Einmal mehr trotzt die Redaktion Extremisten. Handelsblatt

We Need Another Giant Protest How about a million-person march by Muslims for Muslims? New York Times

What would Martin Luther King Jr. say today? USA Today

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